• 04Dec

    Thanksgiving ist eines der uramerikanischsten Feste, das die Familie und Freunde zusammenbringt und die Weihnachtssaison einläutet. Auch ich habe schon den großen Turkey-Day in Amerika selbst miterleben dürfen und war einfach begeistert. Die Erinnerung an Truthahn, Süßkartoffeln, Pekan Pie und die dazugehörende Geselligkeit sind auch heute nach 18 Jahren noch sehr präsent. Aus diesem Grund haben meine Frau und ich uns gedacht, warum machen wir das nicht auch bei uns? Also haben wir auch dieses Jahr wieder Freunde zum großen Fressen eingeladen – da Thanksgiving allerdings immer am vierten Donnerstags im November ist und bei uns dafür kein Feiertag vorgesehen ist, haben wir unser Essen eben auf Samstag verlegt, denn so haben wir genug Zeit für die Vorbereitungen.

    Also habe ich mich am Freitag aufgemacht, einen ausreichenden Berg voll Lebensmittel zu kaufen, um 16 Leute verköstigen zu können. Auf der Speisekarte für das eigentliche Dinner standen:

    Manche dieser Gerichte haben sich schon letztes Jahr bewährt, weswegen ich für diese auch die dazugehörigen Rezepte bereitstelle, bei anderen haben wir was neues ausprobiert, was sich zumindest in einem Fall als Fehler herausgestellt hat.

    Nachdem ich also in verschiedenen Läden die einzelnen Zutaten zusammengesucht und mich ans Auspacken gemacht habe, sah das in etwa so aus:

    Was alles verarbeitet wurde

    Was alles verarbeitet wurde

    Aber viel Zeit blieb nicht, denn ich habe noch am Abend angefangen den ersten Kuchen zu machen, da so vieles in den Backofen musste, der ja durch den großen Vogel lange belegt sein würde.

    Am nächsten Tag war dann der eigentlich Großkampftag in der Küche angesagt, denn jetzt war der ganze Rest dran. Line und ich haben uns auf die Arbeitsteilung geeinigt, sie deckt den Tisch und ich stell mich in die Küche. Da aber vieles vorzubereiten war, blieb keine Zeit für ein ausgedehntes Frühstück, denn frühes anfangen war angesagt. Teige vorbereiten und kalt stellen, in den Backformen verteilen und mit dem Inhalt füllen. Beim Pecan Pie haben wir dieses Jahr ein neues Rezept ausprobiert, da der Burbon Pecan Chocolate Pie vom Vorjahr als Nachtisch viel zu mächtig war. Aber wie oben schon angeführt, war das neue Rezept, das wir vorher nie probiert hatten, ein Fehler. Die Kuchenfüllung ist nicht fest geworden und beim Anschneiden ist die Mischung aus Butter und Ahornsirup einfach weggelaufen. Ich weiß jetzt nicht, ob ich es nur falsch gemacht habe (was wahrscheinlicher ist) oder das Rezept hier nicht ideal ist. Ich glaube ich bleib im nächsten Jahr doch wieder bei der mächtigen Variante mit Ahornsirup und Schokolade, denn wenn nicht alles am Abend wegkommt, gibts es noch ein leckeres und sehr süßes Frühstück am nächsten Tag. Und so schlecht ist das ja auch nicht.

    Da ich mich ja auf den Deal eingelassen habe, zu kochen statt zu dekorieren, ist mir natürlich auch die Aufgabe zugefallen 3 Kilo Kartoffeln und 3 Kilo Süßkartoffeln zu schälen. Und wer freut sich nicht über diese abwechslungsreiche Aufgabe. Aus den nomalen Kartoffeln ist dann das Kartoffelpüree mit Frischkäse und saurere Sahne geworden, die Süßkartoffen wurden in der Mikrowelle gegart (was wunderbar funktionert hat) und mit Pekannüssen und braunem Zucker zu Süßkartoffelpüree verarbeitet. Da das letzteres nochmal im Ofen überbacken werden sollte (es sind rohe Eier enthalten), unser Backofen aber mit der großen Pute belegt war, stand ich also kurz vor dem Eintreffen der Gäste mit zwei Auflaufformen und einem unschuldigen Lächeln im Gesicht bei unserer Nachbarin vor der Türe. Zuerst dachte sie noch ich hätte sie als kleine Überraschung bekocht, aber als ich mein Anliegen geschildert habe, musste sie lachen und stellte mir großzügigerweise ihren Backofen für eine halbe Stunde zur Verfügung.

    Für den Truthahn habe ich noch Ahornsirup und Cidre eingekocht, Butter, Zitronenschale, Thymian und Majoran eingearbeitet, damit nach dem Abkühlen eine leckere Butter entsteht, die dann auf und auch unter die Haut des Truthahns massiert wird. Eine beim ersten mal etwas befremdliche, aber wenn man sich das Ergebnis auf der Zunge zergehen lässt, absolut lohnende Aufgabe. Denn zum Einbringen der Butter muss man die Hand vorsichtig unter die Haut auf der Brust des Truthahns schieben und nach und nach vorsichtig die Verbindung zwischen Haut und Fleisch trennen. Danach kann man dann die Butter einreiben. Wie ich da dem Truthahn mit der kompletten Hand unter die Haut ging, hatte schon was von einer Szene aus Aliens – aber was macht man nicht alles für den guten Geschmack, denn durch die Ahorn-Cidre-Butter bekommt der Truthahn eine leckere Kruste und das Fleisch bleibt super saftig. Ein absoluter Traum. Im Ofen dann einfach nach einer halben Stunde mit Alufolie abdecken und ca. 3 Stunden abwarten, bis die Temperatur im Schenkel bei 80°C ist. Da kann man kaum was falsch machen.

    Der Truthahn und die Beilagen sind kurz nach Eintreffen der Gäste fertig geworden, so dass ich auf Grund der Meute hungriger Raubtiere, die schon am Tisch Platz genommen hat, mich nicht mehr getraut habe, Bilder des fertigen Gerichte zu machen. Und wer will schon angenagte Truthahngerippe und leere Schüsseln sehen?

    Zusammenfassend kann man eigentlich nur sagen, auch wenn wir in Deutschland eigentlich kein Thanksgiving feiern, so ist es doch eine wunderbare Gelegenheit mit Freunden Pfunde zuzulegen. Die Geselligkeit in so einer Runde ist einfach wunderbar und das gemeinsame Gefühl am Ende, dass jeder satt und glücklich ist, lohnt diesen Aufwand. Aus diesem Grund werde ich mich auch in ca. einem Jahr wieder den ganzen Tag in die Küche stellen. Wenn sich solche Gelegenheiten zum geselligen Zusammensein und Essen bieten, kann ich nur jedem empfehlen, diese wahrzunehmen.

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